Land & Leute
Geschichte in Kürze
Das Gebiet des heutigen Bolivien war Teil der Inka-Ausbreitung bis zur spanischen Eroberung 1538. Die Region („Alto Perú") gewann durch die Silberfunde von Potosí (1545) weltwirtschaftliche Bedeutung — das Silber finanzierte mit das spanische Imperium.
Unabhängigkeit 1825 unter der Führung von Simón Bolívar (Namensgeber Boliviens) und Antonio José de Sucre. Im 19. Jh. verlor Bolivien mehrfach Territorium an Nachbarländer — darunter der Salpeterkrieg gegen Chile (1879-84), der Bolivien den Zugang zum Pazifik kostete. Bis heute ist das ein politisches Trauma; Bolivien unterhält eine Marine ohne Meer am Titicacasee.
20. Jahrhundert geprägt von Revolutionen, Militärregierungen und Coups. 2006 wurde Evo Morales als erster indigener Präsident gewählt, stärkte indigene Rechte und Kokaanbau-Legalisierung für traditionellen Gebrauch. Seit 2019/20 politisch volatil.
Indigene Kultur
Bolivien ist der indigenste Staat Südamerikas — über 60 % der Bevölkerung gehören indigenen Völkern an. Die drei größten Gruppen:
- Quechua — Nachfahren der Inka, vor allem in Potosí, Cochabamba, Sucre
- Aymara — am Titicacasee und im Hochland bei La Paz, eigene Sprache und Tradition
- Guaraní — im Tiefland-Osten
Traditionelle Elemente im Alltag:
- Pollera — der weite, bauschige Rock der „Cholitas" (Aymara-Frauen), mit Melonenhut (Bombín)
- Coca — Kokablätter werden seit prä-kolumbianischer Zeit gekaut und in Tee getrunken. Zentral für Anden-Kultur, hilft gegen Höhenbeschwerden
- Pachamama (Mutter Erde) — zentrale spirituelle Figur, wird mit Opfergaben („Ch'alla") geehrt
- Karneval in Oruro (UNESCO-immaterielles Kulturerbe) — eines der größten Volksfeste Südamerikas, Februar
Bolivianische Küche
Sehr regional und deutlich indigener als in Peru. Grundpfeiler: Kartoffel (Bolivien ist Ursprungsland der Kartoffel — über 200 Sorten), Mais, Quinoa, Fleisch (besonders Rind, Lama, Hähnchen).
Highlights
- Salteña — gefüllte Teigtasche mit Fleisch, Kartoffel, Ei, Oliven. Traditionell am Vormittag gegessen, super saftig
- Silpancho — aus Cochabamba: platt geklopftes Rindfleisch mit Reis, Kartoffeln, Ei und Salsa
- Pique a lo Macho — Berg aus Rindfleischstücken, Würstchen, Zwiebeln, Paprika, Pommes — für 2 Personen
- Majadito — aus dem Tiefland: Reis mit Rind oder Huhn, typisch cruceño
- Chairo — Aymara-Suppe mit Gefriergetrocknetem Kartoffel (Chuño) und Fleisch
- Anticucho — Fleischspieße (oft Rinderherz), Street Food
- Llama-Fleisch — gegessen im Hochland, ähnlich wie mageres Rindfleisch
Getränke
- Api morado — violettes Getränk aus lila Mais, heiß getrunken, typisch zum Frühstück im Hochland
- Singani — bolivianischer Weintraubenbrand (Muskatel), Nationalspirituose
- Paceña, Huari — bolivianische Biere
- Mate de coca — Coca-Tee
War dieses Kapitel hilfreich?
