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Verstehen · Kapitel 6

Geschichte Tschechiens

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VerstehenKapitel 6: Geschichte Tschechiens
Verstehen · Kapitel 6

Geschichte Tschechiens

Ein Land im Herzen Europas — Schauplatz europäischer Geschichte von den Premysliden über die Habsburger bis zur Samtenen Revolution.

Frühzeit & Přemysliden

Das Gebiet des heutigen Tschechiens wurde ab dem 6. Jahrhundert von slawischen Stämmen besiedelt. Die Přemysliden-Dynastie einigte ab dem 9. Jahrhundert das böhmische Gebiet und regierte bis 1306. Unter König Ottokar II. Přemysl (13. Jh.) erreichte das Königreich Böhmen seine größte Ausdehnung.

Das Christentum kam im 9. Jahrhundert durch Kyrill und Method. Prag wurde Bischofssitz, später Erzbistum.

Karl IV. & das „Goldene Zeitalter"

Karl IV. (1316-1378) machte Prag als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zur bedeutendsten Stadt Mitteleuropas:

  • 1348 Gründung der Karls-Universität — die älteste Universität Mitteleuropas
  • Bau der Karlsbrücke (ab 1357)
  • Grundsteinlegung des Veitsdoms
  • Erhebung des Prager Bistums zum Erzbistum
  • Gründung der Prager Neustadt (Nové Město)

In dieser Zeit prägten Karl IV. und sein Sohn Wenzel IV. die Stadt maßgeblich — Prag gilt seither als „Goldene Stadt".

Hussitenkriege & Habsburger

Die Hinrichtung des Reformators Jan Hus 1415 in Konstanz führte zu den Hussitenkriegen (1419-1436) — einer religiösen Erhebung gegen Rom, die als Vorläuferin der Reformation gilt.

Ab 1526 stellten die Habsburger die böhmischen Könige, Böhmen wurde Teil der Habsburgermonarchie. Der Prager Fenstersturz von 1618 löste den Dreißigjährigen Krieg aus, die böhmische Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg (1620) führte zur Gegenreformation und Rekatholisierung. Der barocke Glanz vieler tschechischer Städte stammt aus dieser Zeit.

Nationale Wiedergeburt & CSR

Im 19. Jahrhundert entstand die „Tschechische nationale Wiedergeburt" — Wiederbelebung der tschechischen Sprache, Kultur und Nation (Komponisten wie Smetana und Dvořák, Dichter Jungmann). 1918 entstand nach dem Ende der Donaumonarchie die Tschechoslowakische Republik (ČSR) unter Präsident Tomáš Garrigue Masaryk.

Das Münchner Abkommen 1938 trat die Sudetengebiete an das Deutsche Reich ab; 1939 wurde die Rest-Tschechei als „Protektorat Böhmen und Mähren" besetzt, die Slowakei wurde formal unabhängig.

Kommunismus & Samtene Revolution

Nach 1945 geriet die wiederhergestellte Tschechoslowakei unter sowjetischen Einfluss; 1948 kommunistische Machtübernahme. Der Prager Frühling 1968 — ein Versuch, „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu etablieren — wurde durch den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen niedergeschlagen.

Die Samtene Revolution im November 1989 beendete die kommunistische Herrschaft friedlich; Václav Havel, Dramatiker und Dissident, wurde erster Präsident der Nachwendezeit.

Am 1. Januar 1993 teilte sich die Tschechoslowakei friedlich in Tschechien und die Slowakei („Samtene Scheidung"). 2004 trat Tschechien der EU bei, 2007 dem Schengen-Raum, 1999 der NATO.

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