Geschichte & Nordlichter
Wikinger, Sagas & die Entstehung Islands
Islands Geschichte beginnt erstaunlich spät — die Insel war eine der letzten größeren Landmassen der Erde, die besiedelt wurden. Vor den Wikingern lebten hier nur irische Mönche (Papar), die die Einsamkeit suchten und bei der Ankunft der Nordmänner verschwanden.
Die Besiedlung (874 n. Chr.)
Der norwegische Häuptling Ingólfur Arnarson gilt als erster permanenter Siedler Islands. Der Legende nach warf er seine Hochsitz-Pfeiler über Bord und ließ sich dort nieder, wo sie an Land gespült wurden — in einer Bucht voller Dampf, die er Reykjavík nannte: „Rauchbucht", nach den geothermischen Dämpfen, die aus der Erde stiegen. Dieser Name ist bis heute geblieben.
Das Althing (930 n. Chr.)
Im Jahr 930 gründeten die isländischen Siedler in Þingvellir das Althing (Alþingi) — die älteste parlamentarische Versammlung der Welt. Einmal im Jahr trafen sich die Goden (Stammeshäuptlinge), um Gesetze zu erlassen, Streitigkeiten zu schlichten und Geschäfte abzuschließen. Das Althing tagte fast 900 Jahre in Þingvellir, bevor es 1845 nach Reykjavik verlegt wurde.
Die Sagas
Islands Sagas — die großen Familiengeschichten des Mittelalters — gehören zu den bedeutendsten literarischen Werken der europäischen Geschichte. Geschrieben im 13. Jahrhundert, erzählen sie von Ehre, Rache, Liebe und Überleben in einer unbarmherzigen Natur. Die Njáls Saga, die Egils Saga und die Laxdæla Saga sind Meisterwerke, die Shakespeare vorwegnahmen. Isländer lesen sie bis heute — und die Handlungsorte sind alle real und begehbar.
Von der Fremdherrschaft zur Unabhängigkeit
Norwegische und dänische Herrschaft
1262 unterwarf sich Island der norwegischen Krone, 1380 ging es mit Norwegen unter dänische Herrschaft. Es folgten Jahrhunderte des Niedergangs: Vulkanausbrüche (die Laki-Eruption 1783 tötete ein Viertel der Bevölkerung und verursachte eine Hungersnot in ganz Europa), Epidemien, Piratenüberfälle (1627 entführten algerische Piraten 400 Isländer in die Sklaverei) und das dänische Handelsmonopol, das Island wirtschaftlich ausblutete.
Die Unabhängigkeitsbewegung
Im 19. Jahrhundert erwachte der isländische Nationalismus. Der Dichter und Politiker Jón Sigurðsson (sein Geburtstag, der 17. Juni, ist heute Nationalfeiertag) führte den Kampf um Selbstverwaltung an. 1918 erhielt Island Souveränität unter der dänischen Krone, und am 17. Juni 1944 — während Dänemark von Nazi-Deutschland besetzt war — rief Island in Þingvellir die Republik aus. 40.000 Menschen feierten im Regen — bei einer Bevölkerung von 120.000.
Das moderne Wunder
Innerhalb weniger Jahrzehnte verwandelte sich Island von einem der ärmsten Länder Europas in eines der reichsten. Die Schlüssel: Fischerei, Geothermie, Aluminium und Tourismus. Die Finanzkrise 2008 traf Island härter als fast jedes andere Land — alle drei Großbanken kollabierten an einem einzigen Wochenende, die Krone stürzte ab. Aber Island erholte sich bemerkenswert schnell, auch weil die Isländer als einziges Volk ihre Bankermanager tatsächlich vor Gericht stellten und verurteilten.
Nordlichter — Aurora Borealis
Die Nordlichter (Aurora Borealis) sind eines der größten Naturspektakel der Erde — und Reykjavik ist einer der zugänglichsten Orte, um sie zu erleben. Wenn geladene Teilchen der Sonne auf die Erdatmosphäre treffen, bringen sie Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle zum Leuchten: Grün (am häufigsten), Violett, Rosa und selten Rot.
Wann und wo
- Saison: September bis März (dunkel genug). Beste Monate: Oktober, Februar und März.
- Uhrzeit: Meist zwischen 21 und 2 Uhr, aber auch früher oder später möglich.
- Bedingungen: Klarer Himmel + hohe Sonnenaktivität (KP-Index 3+). Die Vorhersage findest du auf vedur.is/weather/forecasts/aurora — das isländische Wetteramt zeigt sowohl die Nordlicht-Aktivität als auch die Wolkendecke.
- Beste Spots in/bei Reykjavik: Grótta-Leuchtturm (Seltjarnarnes), Öskjuhlíð-Hügel (beim Perlan), Viðey-Insel, und auf jeder Straße außerhalb des Zentrums, wo die Straßenbeleuchtung aufhört.
Nordlicht-Touren
Organisierte Touren (ab 50€, 3–4 Stunden) fahren dich zu den besten Spots abseits der Stadt — der Guide kennt die aktuellen Wetter- und Aurora-Bedingungen und fährt dorthin, wo der Himmel klar ist. Die meisten Anbieter garantieren eine kostenlose Wiederholung, wenn keine Nordlichter zu sehen sind. Aber: Du brauchst keine Tour. Ein eigener Mietwagen, 20 Minuten aus der Stadt und etwas Geduld reichen oft aus.
Fotografietipps
- Stativ: Unverzichtbar — Belichtungszeiten von 5–15 Sekunden sind nötig.
- Einstellungen: ISO 1600–3200, Blende f/2.8 oder größer, 8–15 Sekunden Belichtung.
- Manueller Fokus: Auf unendlich stellen, nicht den Autofokus kämpfen lassen.
- Akkus: Kälte frisst Akkus — Ersatzakkus in der Jackentasche warm halten.
Tipp
Nordlichter sind unberechenbar — manchmal tanzen sie stundenlang, manchmal blitzt nur ein kurzer Schimmer auf. Plane mehrere Abende ein und akzeptiere, dass die Natur nicht auf Bestellung liefert. Die beste Strategie: Jeden klaren Abend kurz nach draußen schauen (vedur.is checken!) und flexibel bleiben. Wenn sie dann kommen — und sie werden kommen — ist es ein Moment, der alles verändert.
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