Kleinseite & Malá Strana
Die Kleinseite entdecken
Die Malá Strana (Kleinseite) wurde im 13. Jahrhundert als eigenständige Stadt unterhalb der Burg gegründet und nach einem Brand 1541 im Renaissance- und Barockstil komplett neu aufgebaut. Heute ist sie ein Ensemble aus Palästen, Kirchen, verwinkelten Gassen und Gärten, das wirkt, als hätte sich seit 300 Jahren nichts verändert. Tatsächlich ist die Kleinseite einer der am besten erhaltenen Barockstadtteile Europas.
Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí)
Der zentrale Platz der Kleinseite, dominiert von der Nikolauskirche (Kostel sv. Mikuláše) — dem barocken Meisterwerk der Dientzenhofer-Familie. Der Platz ist umgeben von Restaurants, Cafés und Palästen und deutlich ruhiger als der Altstädter Ring. Von hier führen Gassen in alle Richtungen: zur Burg hinauf (Nerudova), zur Moldau hinab (Mostecká) und in versteckte Hinterhöfe.
Nerudova-Gasse
Die Nerudova ist Prags fotogenste Straße: steil, kopfsteingepflastert und gesäumt von barocken Häusern mit kunstvollen Hauszeichen — bevor Häuser nummeriert wurden, hatten sie Symbole: „Zu den zwei Sonnen" (Nr. 47, Geburtshaus des Dichters Jan Neruda), „Zum goldenen Kelch", „Zu den drei Geigen". Die Gasse führt steil hinauf zur Burg — anstrengend, aber architektonisch ein Fest.
Nikolauskirche (Kostel sv. Mikuláše)
Die Nikolauskirche auf dem Kleinseitner Ring ist das bedeutendste Barockbauwerk Prags und eines der wichtigsten nördlich der Alpen. Die Dientzenhofer-Familie (Vater und Sohn) arbeiteten 80 Jahre (1673–1752) an diesem Bau — das Ergebnis ist eine Explosion barocker Pracht: Deckenfresken, Marmorsäulen, vergoldete Statuen und eine Kuppel, die von innen wie eine Tür zum Himmel wirkt.
Was gibt es zu sehen?
- Die Kuppel: Mit einem Durchmesser von 20 Metern und dem Deckenfresko „Verherrlichung des Hl. Nikolaus" von Johann Lukas Kracker ist sie einer der beeindruckendsten Kirchenräume Europas. Die Fläche des Freskos: 1.500 m² — eine der größten Einzelfresken des Kontinents.
- Der Glockenturm: Man kann den 65 Meter hohen Turm besteigen (215 Stufen) — die Aussicht über die Kleinseite und die Moldau ist spektakulär. Während des Kalten Krieges nutzte die Geheimpolizei StB den Turm zur Überwachung der Botschaften. Eintritt Turm: 100 CZK.
- Konzerte: Abends finden in der Kirche klassische Konzerte statt — Vivaldi, Mozart, Dvořák, gespielt in diesem akustischen Wunderraum. Tickets: ab 490 CZK (20€). Ein Erlebnis.
Lennon Wall & Kampa-Insel
Lennon Wall
Die Lennon Wall (Lennonova zeď) in der Velkopřevorské náměstí ist eine der meistfotografierten Attraktionen Prags — und ein Symbol für Frieden und Freiheit. Seit den 1980er Jahren wird die Mauer eines Malteserordens-Palastes mit Graffiti, Beatles-Texten, Friedensbotschaften und politischen Parolen bemalt. Während des Kommunismus war sie ein Ort des stillen Protests — die Behörden übermalten sie immer wieder, aber sie wurde jedes Mal neu beschrieben. Heute verändert sie sich täglich — bring einen Stift mit und hinterlasse deine Botschaft.
Kampa-Insel
Die Kampa ist eine kleine Insel, die durch den Čertovka-Kanal (Teufelsbach) von der Kleinseite getrennt wird. Ein idyllischer Park direkt an der Moldau mit dem Blick auf die Karlsbrücke von unten, modernen Skulpturen (David Černýs krabbelnde Babys), Cafés am Wasser und dem Museum Kampa (moderne tschechische und mitteleuropäische Kunst, besonders Kubismus). Die Kampa ist Prags romantischster Ort — perfekt für einen Spaziergang bei Sonnenuntergang.
Čertovka — Der Teufelsbach
Der schmale Kanal, der Kampa von der Kleinseite trennt, wird auch „Prager Venedig" genannt — eine Übertreibung, aber die alten Mühlen, die niedrigen Brücken und das plätschernde Wasser haben einen eigenen Charme. Am besten von der Brücke beim Grand Priory Square fotografieren.
Petřín-Hügel & Aussichtsturm
Der Petřín (327 m) ist Prags grüner Hügel — ein Park mit Obstbäumen, Rosengärten, einem Spiegellabyrinth und dem berühmten Aussichtsturm. Von der Kleinseite aus erreichbar per Seilbahn (Lanová dráha) oder zu Fuß durch den Park (20–30 Minuten Aufstieg).
Petřín-Aussichtsturm (Petřínská rozhledna)
Der 1891 zur Jubiläumsausstellung erbaute Turm ist eine verkleinerte Kopie des Eiffelturms — 63,5 Meter hoch, aus Stahl, mit 299 Stufen (kein Aufzug!). Von der Aussichtsplattform bietet sich ein 360°-Panorama über ganz Prag: die Burg, die Moldaubrücken, die Altstadt, bei klarem Wetter bis zu den böhmischen Bergen. Eintritt: 150 CZK (6€).
Spiegellabyrinth (Zrcadlové bludiště)
Direkt neben dem Aussichtsturm: ein Irrgarten aus Verzerrungsspiegeln in einem neugotischen Pavillon. Kitschig, albern und wunderbar — besonders mit Kindern. Eintritt: 75 CZK.
Seilbahn (Lanová dráha)
Die Petřín-Seilbahn fährt von der Haltestelle Újezd (Tram 6, 9, 22) in 4 Minuten auf den Hügel. Sie gilt als öffentliches Verkehrsmittel — die reguläre ÖPNV-Fahrkarte oder Tageskarte ist gültig! Betriebszeiten: 9–23:30 Uhr.
Tipp
Die beste Petřín-Strategie: Seilbahn hinauf (mit ÖPNV-Ticket kostenlos), Aussichtsturm besteigen, dann zu Fuß durch den Park hinab zur Kleinseite. Unterwegs: Rosengarten, Spiegellabyrinth und die Hungermauer (mittelalterliche Stadtmauer). Bei Sonnenuntergang ist die Aussicht vom Turm am schönsten.
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